„Wagner sucht das Glück“. Hört sich irgendwie piefig an. Mit einem „Frau“ davor ginge der Titel locker als Sat1-Schmonzette durch. Mit einem „Herr“ als Buch von Sven Regener. Dass Michael Koob sein Spielfilm-Debüt so genannt hat, ist schon der erste Clou des saarländischen Nachwuchsregisseurs, mit dem er uns auf die falsche Fährte lockt. Die Suche nach Glück hat mit dem Finden von Glück nur selten etwas zu tun. Im Rahmenprogramm des diesjährigen Max Ophüls Festivals feierte Koobs Erstling seine Premiere und fand Beachtung.

Von links: Gerrit Bernstein, Michael Koob und Iris R. Hassenzahl durften nach der Premiere feiern. Foto: Prams
Ebenso herkömmlich wie der Titel wirkt auch die Anfangsszene: 20-Jähriger Künstler streitet sich mit cholerischem Freund der Mutter – grandios, Martin Brambach („Das Leben der anderen“) – fliegt raus und muss erstmals eigene Entscheidungen treffen. So weit, so gewöhnlich. Aber damit beginnt die Suche der Protagonisten erst, und die Geschichte entwickelt sich zu einer Irrfahrt zwischen Schein und Sein. Auf einem Frachtschiff trifft Wagner den Lebenskünstler Wollie, dessen banale, philosophischen Ratschläge („Werd’ wach, aber träum’ weiter“) seinen Trip befeuern. Irgendwo im Niemandsland taucht die bildhübsche Sara auf. Selbstbewusst, sexy, verführerisch, geheimnisvoll. Spätestens jetzt kehrt Wagner in eine Welt ein, in der er sich nicht mehr zurechtfinden kann. Ob wahr ist, was er dabei erlebt, bleibt offen. Koob spielt mit dem, was in und um Wagner passiert und orientiert sich dabei clever an Lars von Triers und David Lynch. Es gibt schlechtere Vorbilder. „Die Realität ist wie die Kruste einer Wunde. Wenn man daran kratzt, fängt sie an zu bluten“, heißt es an einer Stelle. Dass Koob bei geringem Budget auf unbekannte Gesichter setzen musste – Brambach und Helmut Krauss ausgenommen – entpuppt sich als Glücksgriff. Gerrit Bernstein taumelt derart naiv und unbeholfen als Wagner durch sein Leben, dass man ihm helfen möchte. Iris R. Hassenzahl meistert den schmalen Grad zwischen Verführerin und einsamer Seele so grazil, dass man applaudieren muss. Ein gutes Trio hat sich da gefunden. Demnächst geht Koob mit „Wagner sucht das Glück“ auf Tour durch die Programmkinos. Wer die Gelegenheit hat, sollte sich den Film anschauen.
Im Web:
www.koob.tv

Marc A. Prams - Hört Musik, schaut Filme, liest Bücher und isst gerne Suppen.
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